Erfahrungsbericht von Moritz G. über die libertäre Demonstration am 1. Mai in Bonn, u.a mit der FAU (Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter Union) und ASJ Bonn (Anarchistisch Syndikalistische Jugend Bonn)

Am 1. Mai traf sich eine kleine Gruppe junger Menschen in der Nähe der Universität Bonn. Dabei hatten sie einige große Schilder mit Sprüchen wie “Free markets, free people” und “Kein Mensch ist illegal, freie Einwanderung”. In guter Laune marschierten sie so zum Hauptversammlungspunkt der Demonstration – aber noch bevor sie dort ankamen, begegneten sie einigen Leuten, mit denen sie interessante und konstruktive Diskussionen hatten. Einige zufällig anwesende Touristen wollten sogar ein Foto mit der Gruppe und ihrem Schild mit der Aufschrift “Peace, Love, Liberty” schießen.
Die Sonne schien und wie jedes Jahr fand an diesem Tag eine sozialistische Demonstration statt, hauptsächlich von einigen Gewerkschaften organisiert. Die anwesende kleine Gruppe junger Leute befand sich plötzlich inmitten einer sehr großen Menschenmasse. Einige Leute betrachteten ihr Schild mit der Aufschrift “Alles was der Staat dir gibt, wurde von jemand anderem gestohlen.” und nickten zustimmend. Viele andere Demonstranten waren jedoch sehr überrascht.
Wer sind diese Leute, die für offene Grenzen und freie Einwanderung demonstrieren? Was meinen sie mit ihrer Aufschrift “Nur freier Handel ist fairer Handel?” Sind das internationale Sozialisten, Kommunisten oder Grüne, die bloß noch mehr staatliche Subventionen für “fair trade” verlangen? Nein, der Slogan “Laissez-faire” passt eindeutig nicht in dieses Konzept. Nachdem so gut wie jeder die Aufschriften auf ihren Schildern gelesen hatte schien die Arbeit erledigt und die Gruppe lief einige hundert Meter weiter zu einem anderen Ort. Auf ihrem Weg bekommen sie auch Zuspruch von einem freundlichen, wahrscheinlich obdachlosen Punk: “Cooles Schild, Leute!”. Die Gruppe kehrte um und tauschte ein paar Wört mit dem netten Kerl aus. Einer von Ihnen schmiss ein paar Münzen in sein Becher.
Einige Minuten später setzte sich die Gruppe hin und entspannte sich ein wenig – noch mehr Leute versammelten sich um sie. Sie trugen schwarze und rote Flaggen mit sich. Im Hintergrund spielte laute Punkmusik und die neu hinzugekommenen Demonstranten fragten sich wohl das selbe wie der Rest. Was zur Hölle sind diese Leute? – “Anarchisten”, antworteten sie. Nach einer weiteren Diskussion mit einigen sympathischen Personen begann die Show.
Die Demonstration “Libertärer 1. Mai” begann. Und sie war verhältnismaßig groß: Ungefähr 150 Personen waren anwesend, zusätzlich noch die drei Libertären aus der erwähnten Gruppe, die noch anwesend waren. Die drei befanden sich am Ende des Demonstrationszuges, immer in der Nähe und ironischerweise gut durch die Polizei beschützt. Nach einem langen Marsch durch die Stadt und Tausenden Leuten, die ihre Schilder gelese und Fotos geschossen hatten, liefen sie weiter in die Altstadt Bonns.
Plötzlich warteten vier Personen mit schwarzer Kleidung, offensichtlich Mitglieder der Antifa, am Straßenrand und als die letzten erwähnten drei Demonstranten weiterlaufen wollten, schnitten sie ihren Weg. “Was seid ihr denn?” Fragte einer von ihnen in einem sehr aggressiven Ton.
“Anarchisten.” antwortete die Gruppe. “Nein, ihr seid Faschisten, Rechtsextremisten. Verpisst euch.”
“Wir bleiben.” beharrte der Jüngste der Gruppe.
“Ist das euer Ernst?” Fragte eine Demonstrantin der libertären Gruppe. “Meine Eltern sind hier eingewandert. Bin ich also auch rechtsextremistisch, obwohl ich selbst einen Migrationshintergrund habe, Kollektivismus hasse und ein Schild mit der Aufschrift “Offene Grenzen” hochhalte?”
Die Antifa-Truppe schien nicht überzeugt und auch nicht gewillt, eine sachliche Diskussion zu führen.
“Wir wissen was ihr seid. Ihr seid alle Faschisten. Verpisst euch.”
Doch die Gruppe blieb.
Am Anfang des Demonstrationszuges fuhr ein Wagen mit, auf dem sich einige der Demonstranten befanden. Dabei hatten sie auch einen Lautsprecher – sie sprachen die kleine libertäre Truppe zweimal direkt an und machten klar, dass “die Anarchokapitalisten hier nicht wilkommen sind und gehen sollen”.
Im Hintergrund lief die ganze Zeit anarchosyndikalistische Musik mit entsprechenden Texten. Unter anderem hieß es in einemder Songs “Wir glauben an eine Welt ohne Hierarchien, in der jeder respektiert wird” – hört sich ja per se nicht schlecht an.
An diesem Moment tauchten die erwähnten Antifa-Leute erneut auf (sie haben uns nochmal hinterher gelauert) und erwähnten in gewohnt aggressiver Manier, dass wir jetzt gefälligst gehen sollen. “Sie meinten es ernst”, fügten sie hinzu. Sehr auffällig liefen sie für eine ziemlich lange Zeit direkt hinter der Gruppe und es schien fast so, als warteten sie auf einen Moment, in dem der Polizweiwagen in eine andere Richtung fährt, um anschließend unsere Schilder runterzureißen.
Doch die drei blieben bis zum Ende.
Über die Lautsprecher haben vielleicht einige Leute das erste Mal das Wort Anarchokapitalismus gehört und es ergaben sich insgesamt, bevor die Antifatruppe erschien, einige konstruktive Diskussionen. Trotzdessen, dass sie Angst hatten, physisch attackiert zu werden, hatte sich ihr Erscheinen gelohnt. Eine sehr große Anzahl von Menschen wurde das erste Mal mit dem Konzept des individualistischen Anarchismus konfrontiert.
Und jetzt schaltet euren Laptop aus, macht euch ein Schild, organisiert eine Demo und verbreitet die Ideen der Freiheit!

Anarchokapitalisten in Action